Fettarm essen in der ersten Zeit nach der Magen-OP nach Magenkrebs

Je mehr Fett ich gegessen habe, umso mehr habe ich abgenommen in den ersten Monaten nach meiner Magenentfernung. Blähungen, Durchfälle … das ganze Programm. Hier schreibe ich über die Hintergründe, was ich daraus gelernt habe und wie ich dies geschafft habe: Eine Gewichtszunahme ohne Magen.

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Gewichtszunahme ohne Magen nach Magenkrebs

Über den Autor: Frank Sprang hatte Magenkrebs und lebt nun ohne Magen. Hier berichtet er über seine Behandlungen, was er heute anders machen würde, wie er die Probleme mit der Verdauung gelöst hat und wieder fit geworden ist. Er ist medizinischer Autodidakt und seine Hinweise sind deshalb mit Fachkräften, z. B. Ärzten, abzustimmen. Siehe Disclaimer.


Ein guter Einstieg in das umfangreiche Thema ›Verdauungsprobleme‹ ist der Artikel: Ursachen der Verdauungsprobleme nach Magenentfernung wegen Magenkrebs.

Viel Fett benötigt viele Verdauungsenzyme

Fettes Essen benötigt viele Verdauungsenzyme

Ob frittierte Pommes, Pizza oder fetthaltige Soßen – auch bei gesunden Menschen ist der Verdauungsapparat mit großen Fettmengen schwer beschäftigt. Um die Fette mit Hilfe von Verdauungssäften aufzuspalten, muss die Bauchspeicheldrüse kräftig arbeiten, ebenso die Leber, um Gallenflüssigkeit zu produzieren. Krebspatienten mit operativ veränderten Verdauungswegen haben mit fettigem Essen erst recht ihre Schwierigkeiten, denn die Nahrung und die Verdauungsenzyme gehen jetzt teilweise unterschiedliche Wege.

Was machen die Verdauungsenzyme?

Verdauungsenzyme

Die Verdauungssäfte sind Enzyme, welche die Nahrung in Einzelteile zerlegen, um sie für den Körper verwertbar zu machen. Die Aufgabe der Enzyme ist, langkettige Moleküle wie Proteine, Kohlenhydrate und Fette in kürzere Verbindungen aufzuspalten. Diese kurzkettigen Moleküle sind dann beispielsweise Aminosäuren, einfache Zucker, Glycerin und Fettsäuren. Verdauungsenzyme werden gebildet im Mund (Speichel), im Magen, in der Leber, in der Bauchspeicheldrüse und im Darm.

Warum kommen die Enzyme nach einer Magen-OP weniger gut zum Einsatz? Und warum ist eine Gewichtszunahme ohne Magen so schwer?

Magenkrebs Y-Roux Rekonstruktion

Wurde nach der Diagnose Magenkrebs der Magen komplett oder teilweise entfernt, wird zusätzlich der nachfolgende Darmabschnitt neu zusammengefügt, meist in Form einer Y-Roux-Rekonstruktion. Der Eingriff ist benannt nach dem Schweizer Chirurgen César Roux (1857–1934), der als erster eine solche Y-förmige Verbindung geschaffen hat. Die Gründe für diese Art der Operation beschreibe ich noch an anderer Stelle. Nur so viel: Nach dem Magen kommt normalerweise der Zwölffingerdarm, in dem die Verdauungsenzyme der Bauchspeicheldrüse einfließen. Auch der Gallengang mündet im Zwölffingerdarm. Dann folgt der Dünndarm. Bei der Magenentfernung und Y-Roux-Rekonstruktion bleibt der Zwölffingerdarm an der alten Stelle und wird am oberen Ende, wo dieser vom Magen abgeschnitten wurde, zugenäht. Auch unten wird der Zwölffingerdarm abgetrennt vom sich anschließenden Dünndarm. Der Dünndarm wird dann nach oben gezogen und mit der Speiseröhre oder dem Restmagen verbunden. Der separierte Zwölffingerdarm wird jetzt am unteren Ende wieder mit dem Dünndarm zusammengefügt.

Dadurch entsteht eine Art »Y«. Ein oberer Zweig des Y ist der Zwölffingerdarm, in welchen weiterhin die Verdauungsenzyme von Leber und Bauchspeicheldrüse münden. Der andere obere Zweig des Y ist der nach oben gezogene Dünndarm, der mit dem Restmagen oder der Speiseröhre verbunden wurde. Wo die beiden Zweige sich vereinen, läuft alles wieder nach unten zusammen.

Das hat zur Folge, dass der Speisenbrei nicht mehr durch den Zwölffingerdarm läuft, sondern daran vorbei. Beim Ausschütten der Verdauungssäfte von Leber (Galle) und Bauchspeicheldrüse in den Zwölffingerdarm ist der geschluckte Nahrungsbrei durch den einen oberen Y-Zweig schon so weit in den Y-Abwärtsstrich transportiert worden, dass die Verdauungssäfte aus dem anderen oberen Y-Zweig verspätet eintreffen und dem Essen lediglich hinterherlaufen.

Nicht nur kein Magen und weniger Enzyme … auch keine Gallenblase. Gewichtsverlust häufig die Folge.

Erschwerend kommt hinzu, dass häufig die Gallenblase mit entfernt wird. Der Gallengang von der Leber bleibt aber meist erhalten. Die Gallenblase dient normalerweise als Reservoir von etwas 50% der Gallenflüssigkeit, die in der Leber produziert wird. Dieser Speicher fehlt nun als schnell verfügbares Einsatzkommando für die Gallen-Enzyme. Diese dienen dazu, große Fettkügelchen in der Nahrung zu zerlegen, an welchen die Verdauungsenzyme aus der Bauchspeicheldrüse besser ansetzen können. Außerdem helfen Gallensalze den Darmzellen, die gespaltenen Fette aufzunehmen.

Obendrein fehlt der Magen, der immer nur geringe Mengen des Nahrungsbreis weiterreichen würde. Ohne Magen plumpst die gesamte Mahlzeit direkt in den Darm.

In Summe vermischt sich deshalb das Essen nicht ausreichend mit den Verdauungsenzymen und die Verdauung erfolgt nur mangelhaft. Hier sind wir wieder bei den Bakterienkulturen, die wir durch dieses extra Nahrungsangebot züchten, im Dünndarm und Dickdarm, mit den Folgen von Blähungen und Durchfällen. Ohne Magen das Gewicht zu halten, fällt unter diesen Umständen sehr schwer. Stattdessen heißt es meist: Ohne Magen Gewichtsverlust.

Wie zeigt sich eine unzureichende Fettverdauung?

Magenkrebs, ohne Magen Gewichtsverlust

Es genügt ein Blick in die Toilette: Schwimmt der Stuhl, egal ob fest oder weich, häufig verbunden mit penetrantem Geruch und heller, glänzender Farbe, so handelt es sich meist um sogenannten Fettstuhl. Denn der Stuhl sollte normalerweise absinken. Ist das nicht der Fall, enthält der Stuhl zu viel unverdautes Fett.

Ich habe im Internet mehrere Erfahrungsberichte von Magen-Krebspatienten gelesen, die das Problem mit der Fettverdauung bestätigen. In den Berichten heißt es beispielsweise, dass man versucht hat, den heftigen Gewichtsverlust nach Chemos und Magen-OP schnell wieder auszugleichen, indem viel fettes Essen gegessen wurde, wie etwa Sahnetorten. Dies hatte jedoch einen gegenteiligen Effekt, den ich ebenfalls bei mir feststellen konnte: Je fetter ich gegessen habe, desto häufiger waren die WC-Sitzungen und umso stärker war mein Gewichtsverlust. Deshalb dieser hilfreiche Tipp, zumindest in den ersten Monaten nach der OP das Fett in der Nahrung deutlich zu reduzieren. Dies sollte eine sofortige positiven Auswirkung haben.

Langsam die Fettmenge bei den Mahlzeiten steigern für eine Gewichtszunahme ohne Magen

ohne Magen Gewicht halten

Nach ein paar Wochen oder Monaten ist es aber sinnvoll, den Fettanteil im Essen stufenweise wieder zu erhöhen, denn in gesunden Fetten sind wertvolle Kalorien für eine erfolgreiche Gewichtszunahme ohne Magen. Hilfreich hierbei ist, dass der Körper sich mit der Zeit an die neue Verdauungssituation anpasst und die Verdauungssäfte etwas besser zur Wirkung kommen. Wie groß dieser Effekt ist, kann ich nicht konkret benennen, denn ich habe Woche für Woche immer mehr von den Tipps auf dieser Website angewendet, wodurch sich die Fettverdauung gebessert hat. Alle Tipps zusammen haben die maximale Wirkung und dann klappt es auch mit der Gewichtszunahme ohne Magen nach Magenkrebs. Speziell für die Fettverdauung helfen meine Hinweise zu Pankreasenzymen, die ich in einem anderen Beitrag zusammenfasse.

Foto von Frank Sprang. Icons von Freepik auf Flaticon.

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