Trinken ohne Magen. Was und wie soll ich trinken als Patient mit Magenkrebs?

Es gibt die Phase, da besitzt man noch den Magen, steckt aber in der Chemotherapie. Und dann gibt es den neuen Lebensabschnitt ohne Magen, mit wohl weiteren Chemos. In allen Phasen ist eine optimale Versorgung des Körpers mit Flüssigkeit lebensnotwendig und eine Voraussetzung für den Therapieerfolg und die anschließende rasche Erholung.

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Trinken ohne Magen bei Magenkrebs und während des Chemos

Über den Autor: Frank Sprang hatte Magenkrebs und lebt nun ohne Magen. Hier berichtet er über seine Behandlungen, was er heute anders machen würde, wie er die Probleme mit der Verdauung gelöst hat und wieder fit geworden ist. Er ist medizinischer Autodidakt und seine Hinweise sind deshalb mit Fachkräften, z. B. Ärzten, abzustimmen. Siehe Disclaimer.


Ein guter Einstieg in das umfangreiche Thema ›Verdauungsprobleme‹ ist der Artikel: Ursachen der Verdauungsprobleme nach Magenentfernung wegen Magenkrebs.

Die Ärzte sind für die Behandlung zuständig, Sie für alle anderen lebenswichtigen Punkte.

Die Chemotherapie startet meist bald. Oder es wird ein zeitnaher Operationstermin angesetzt und die Chemos folgen im Anschluss. Sie begeben sich damit in die Obhut von Ärzten. Doch was können Sie als Patient selbst unternehmen, um schnell auf die Beine zu kommen und idealerweise wieder gesund zu werden. Bewegung ist wichtig. Dann eine positive seelische Einstellung. Und die richtige Ernährung. Das Trinken ohne Magen und nach den Chemos spielt hier eine zentrale Rolle.

Trinken nach den Chemos. Vor allem reichlich.

Trinken nach den Chemos

Die Mittel, die man bei einer Chemobehandlung erhält, heißen Zytostatika. Diese wirken gegen schnell wachsende Krebszellen. Aber auch in den Schleimhäuten im Mund, Rachen und Magen-Darm-Trakt befinden sich schnell wachsende Zellen, die sich alle 3 bis 7 Tage erneuern. Diese werden durch die Medikamente ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Sichtbar und erkennbar war dies bei mir im Mundraum. Mit jeder weiteren Chemo hat sich mein Mund und Rachen immer stärker entzündet. In meinen Darm konnte ich nicht hineinsehen, doch dort wird es nicht besser ausgesehen haben. Jedenfalls liegt die Ursache einiger Verdauungsprobleme während der Chemotherapie an den geschädigten Schleimhäuten. Klassische Nebenwirkungen einer Chemo sind Übelkeit, Erbrechen, Verstopfungen, Blähungen und Durchfälle. Bei mir ging es schon einen Tag nach der allerersten Chemositzung los: Häufige Durchfälle. Und mit häufig meine ich mehrmals täglich. Die Folge war ein drastischer Gewichtsverlust.

Zum Glück bessert sich der Zustand der Schleimhäute nach den Chemos, doch das braucht etwas Zeit. So wie es einige Wochen dauert, bis die Haare wieder anfangen zu sprießen. Vor diesem Hintergrund also die Frage: Was soll man trinken während der Chemotherapie? Und was nicht?

Der Körper benötigt insbesondere nach einer Chemositzung reichlich Flüssigkeit, um die verabreichten Medikamente wieder auszuspülen. 1,5 Liter täglich, bei Durchfall deutlich mehr. Hierfür eignet sich Wasser komplett ohne Kohlensäure. Auch sogenannte Magen-Tees sind meist gut verträglich: Fenchel, Kamille oder Kräutertees. Abzuraten ist von kohlensäurehaltigen Getränken wie etwa Bier, Limonade und dergleichen. Auf Säfte würde ich ebenfalls verzichten, denn die Konzentration an Fruchtsäure ist für die angegriffenen Schleimhäute meist zu hoch.

Trinken ohne Magen (Gastrektomie)

Trinken ohne Magen

Nun ist er weg, der Magen. Er hat bislang gute Dienste geleistet, hat die Nahrung aufgenommen und mit Hilfe der Magensäure zu einem vorverdauten Speisebrei verarbeitet. Der Magen hat den Speisebrei im Durchschnitt etwa 3 Stunden gespeichert, um diesen dann wohldosiert an den Dünndarm abzugeben, zur weiteren Verdauung. Beim Essen und Trinken wird Luft mitgeschluckt und sammelt sich im Magen. Und die Kohlensäure in Getränken kann im Magen ausgasen. Mit Rülpser(chen) kann diese gesammelte Luft wieder ins Freie entlassen werden, so dass sich die Gase nicht durch den langen Verdauungsapparat quälen müssen.

Doch jetzt, ohne Magen, ist das anders! Flüssigkeiten und feste Nahrung landen umgehend im Dünndarm und werden recht zügig weitertransportiert. Das gilt ebenso für geschluckte Luft und vor allem für die Kohlensäure in Getränken. Meine Empfehlung: Verzichten Sie komplett auf kohlensäurehaltige Getränke. Sie ersparen sich damit zusätzlichen Verdauungsstress. Und trinken Sie nicht zu hastig und immer aufrecht. So hat die geschluckte Luft etwas Gelegenheit, sich in Richtung Speiseröhre zu sammeln. Dann ein kleines Aufstoßen, und die Welt ist in Ordnung. Wenn Säuglinge nach dem Stillen ein ›Bäuerchen‹ machen, werden sie dafür gelobt. Als Erwachsener müssen Sie sich selbst dafür auf die Schulter klopfen.

Nicht zu heiß und nicht zu kalt trinken ohne Magen

Ein vorhandener Magen bringt Getränke und Speisen auf Körpertemperatur, sodass der Dünndarm nur mit körperwarmen Nahrungsmitteln in Kontakt kommt. Ohne Magen fällt aber jedes Getränk und Essen direkt in den Dünndarm. Immerhin werden durch das Kauen von Speisen, diese im Mund auf die passende Körpertemperatur gebracht. Doch Getränke behält man nicht lange im Mund. Ein Schluck und runter, das ist die übliche Vorgehensweise. Und damit landen beim Trinken ohne Magen die heißen Tees und die kalten Drinks direkt im Dünndarm. Das ist dieser nicht gewohnt und reagiert gereizt. Unwohlsein ist die Folge bis hin zu Durchfällen. Deshalb: Getränke nicht zu heiß und nicht zu kalt zu sich nehmen. Gegebenenfalls einen Schluck im Mund behalten, bis sich die Temperatur angepasst hat. Dann erst runterschlucken. Essen und Trinken ohne Magen erfordert mehr Aufmerksamkeit!

Kalorienhaltige Getränke

Nach der Magenentfernung konnte ich in der ersten Zeit nur sehr kleine Portionen essen. Sind zudem zeitliche Abstände einzuhalten zwischen Essen und Trinken (mehr dazu in anderen Artikeln), so schafft man es kaum, ausreichend Kalorien zu sich zu nehmen. Deshalb habe ich ein Getränk zusammengestellt, das mit einigen Kalorien aufwartet. Ich starte jeden Tag mit diesem Getränk, um nach der Nacht meinen Flüssigkeitshaushalt auszugleichen und mir zugleich etwas Gutes zu tun. Es ist ruckzuck zubereitet.

Ich spare nicht mit Landkaffee und Kakao, denn diese haben mit ca. 400 kcal je 100g reichlich Kalorien. Da Kakao einige Fette enthält, nehme ich zwischen den Schlücken ein paar Kügelchen Pankreasenzyme (z. B. Medikament Kreon). Zum Thema Pankreasenzyme gibt es einen eigenen Artikel.

Keine zuckerhaltigen Getränke

Womöglich kommen Sie auf die Idee, eine ordentliche Portion Zucker dazuzugeben. Bezogen auf die Kalorien wäre es sinnvoll. Doch aufgepasst: Zucker, Honig, Sirup, usw. lassen den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen. In Folge schüttet der Körper Insulin aus, das den Blutzucker in die Zellen ›drückt‹. Krebszellen freuen sich dann auf dieses reichliche Nahrungsangebot. Doch unser Ziel ist natürlich nicht, Krebszellen zu erfreuen. Deshalb rate ich grundsätzlich von zuckerhaltigen Nahrungsmitteln ab. Hinzu kommt, dass Zucker noch weitere negativen Wirkungen hat. Er beeinflusst die Darmflora ungünstig und es kann zu Pilzbefall kommen. Und das ständige Auf und Ab des Blutzuckerspiegels führt zu Stimmungsschwankungen. In anderen Artikeln gehe ich auf die schädlichen Aspekte näher ein, vor allem auf die Verdauungsstörungen, die ein häufiger Zuckerkonsum auslöst.

Milch?

In Kuhmilch stecken einige Kalorien, doch ich kaufe keine Kuhmilchprodukte wegen des darin enthaltenen IGF-1 (Insulin-like Growth Factor-1). IGF-1 ist ein Hormon, das die Zellteilung stimuliert und wichtig ist für das Wachstum und die Entwicklung eines Kälbchens. Doch IGF-1 kann auch Krebszellen zur Vermehrung anregen, was ich unbedingt vermeiden will. IGF-1 ist in Milchprodukten in unterschiedlicher Menge vorhanden, je nach Verarbeitung. Pasteurisierte Trinkmilch enthält beispielsweise deutlich mehr IGF-1 als Käse oder Joghurt.

Darum verwende ich pflanzliche Milchalternativen, wie etwa Mandelmilch, Haselnussmilch oder Kokosnussmilch. Allerdings dürfen diese laut EU-Verordnung nicht ›Milch‹ genannt werden zum Schutz der Bezeichnung für tierische Milch. Stattdessen tragen sie die Bezeichnungen ›Getränk‹ oder ›Drink‹. So sehen Sie auf dem Foto oben einen Tetrapack mit dem Aufdruck Mandeldrink. Einzig Kokosnussmilch darf ›Milch‹ heißen, da sie bereits vor der Verordnung auf dem Markt war.

Ich nehme aber keinen Haferdrink, keinen Sojadrink und keinen Reisdrink wegen den darin enthaltenen Lektinen. Diese sind Abwehrstoffe der Pflanzen und stehen im Verdacht beim Menschen für einige Erkrankungen verantwortlich zu sein, darunter Verdauungsprobleme, Herz-Kreislauf-Beschwerden und sogar Krebs. Solange es für mich Alternativen gibt, verzichte ich auf lektinhaltige Lebensmittel. Das Thema ›Lektine‹ wird kontrovers diskutiert, deshalb spreche ich hier keine Empfehlung aus.

Kaffee trinken ohne Magen?

Manche sind süchtig nach Kaffee. Andere dagegen mögen den Geschmack überhaupt nicht. Dann die Frage: Ist er gesund oder ungesund? Dies lässt sich nicht sicher beantworten, denn dem Kaffee werden positive Wirkungen wie auch negative angehängt. Zumal Mensch unterschiedlich auf den Wachmacher reagieren. Deshalb hier nur meine persönliche Erfahrung und Meinung.

Ich mag Kaffee. Mir schmeckt er, allerdings nur gesüßt. Auf diesen Genuss habe ich verzichtet in den ersten Wochen nach der Magen-OP, denn Kaffee enthält Säure, mal mehr mal weniger, abhängig von der Sorte und Art der Zubereitung. Deshalb habe ich abgewartet, bis die Wunden der OP verheilt sind. Dann habe ich vorsichtig mit einer kleinen Tasse am Tag angefangen und in mich hineingehorcht. Hat es Auswirkungen auf meine Verdauung? Und wenn ja, welche? Hier zu einer sicheren Aussage zu kommen ist schwierig, solange der Darm verrückt spielt. War es der Kaffee oder das falsche Essen, was zu einer plötzlichen und unangenehmen Toilettensitzung geführt hat? Doch je mehr funktionierende Lösungen ich erarbeitet habe, um die Verdauungsprobleme zu beheben, um so mehr konnte ich unterscheiden, ob Kaffee bei mir eine negative Wirkung hat. Hat er nicht! Ich vertrage ihn gut, trinke jetzt ohne Magen aber nur eine Tasse täglich, in seltenen Fällen zwei Tassen.

Süßungsmittel

Ungesüßt schmeckt mir Kaffee nicht. Doch Zucker wollte ich auf keinen Fall in das Getränk rühren. Ein Zuckerersatzstoff war gesucht. Nicht zum Einsatz kommen sollten Süßungsmittel wie etwa Aspartam, Cyclamat, Saccharin, usw., die einen schlechten Ruf haben, zum Teil zu Recht. Ich habe einen möglichst natürlichen Süßstoff gesucht und diesen gefunden: Erythrit. Es hat kaum Kalorien und beeinflusst den Blutzuckerspiegel nicht. Beispielsweise enthalten Käse, Weintrauben, Birnen und Melonen natürliches Erythrit. Industriell wird dieser Süßstoff meist durch Gärung aus Mais gewonnen. Er unterscheidet sich in der Konsistenz kaum von normalem Zucker, süßt aber nur halb so stark. Da ich gleich nach der Magenkrebs-Diagnose den Zuckerkonsum komplett heruntergefahren habe, ist mein Geschmackssinn gegenüber süßen Nahrungsmitteln deutlich sensibilisiert worden. So benötige ich nur noch eine kleine Menge Erythrit im Kaffee. Ich verwende Erythrit ebenfalls für das Süßen von Speisen. Zu kaufen gibt es diesen Süßstoff im Internet, im Drogeriemarkt und teilweise beim Discounter.

Von flüssig über zähflüssig zu fest … dann Abstand und wieder von vorne.

Beim Essen und Trinken ohne Magen landet alles unmittelbar im Darm. Und hier gilt: Flüssiges kommt im Darm schneller voran. Trinke ich, kann ich relativ bald darauf etwas essen, denn die Flüssigkeit ist längst im Darm weitertransportiert worden und wird sich nicht mit der festen Nahrung vermischen. Umgekehrt gilt aber: Trinken Sie kurz nach dem Essen, wird die Flüssigkeit die feste Nahrung einholen, diese verdünnen und alles wird rascher Richtung Dickdarm und Ausgang befördert. Das ist ungünstig, denn eine gute Verdauung und Kalorienverwertung braucht seine Zeit. Ergänzend kommt hinzu, dass unverdaute Nahrung im Dickdarm vermehrt Durchfälle verursacht.

Deshalb mein Tipp: Nehmen Sie ein Getränk zu sich, so können Sie relativ bald etwas essen, beispielsweise nach 20 oder 30 Minuten. So lange warte zumindest ich. Nach dem Essen halte ich aber einen größeren Abstand ein, meistens zwischen einer und zwei Stunden, bis ich trinke. Diese Vorgehensweise hat sich bei mir bewährt.

Foto von Frank Sprang. Icons von Freepik auf Flaticon.

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